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Statussymbole bei Kindern – Risiken und Auswege

Das muss ich unbedingt haben! Meine Freunde haben auch alle eines. Früher oder später haben die meisten Eltern das schon einmal von ihren Kindern gehört. Dieses unbeschreibliche Verlangen, die Sehnsucht nach dem neuesten Smartphone, den tollsten Sneakern, der schönsten Barbie, mit dem dazugehörigen Haus und der Extra-Ausstattung. Statussymbole, die beinahe überlebenswichtig scheinen, sind keine Errungenschaft des Erwachsenwerdens. Sie existieren bei Kindern gleichermaßen.

 

Im Trend liegen
Auch wenn sich die Objekte der Begierde mit dem Alter verändern, sind Kinder doch keineswegs davor gefeit, den gängigen Statussymbolen nachzugeben und ihren Besitz anzustreben. Dahinter steht das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung. Kinder wollen von ihrem Umfeld, von Freunden und Schulkameraden akzeptiert werden. Statussymbole sind in der heutigen Konsumgesellschaft ein adäquates Hilfsmittel, um sich diesem Ziel anzunähern. Mit Trends und Marken symbolisiert man anderen, dass man dazugehört, denn nichts wäre schlimmer als Ausgrenzung. Doch es gibt ein Verfallsdatum auf Statussymbole, bei denen es sich heutzutage hauptsächlich um materielle Güter handelt. Und so etabliert sich schnell ein Wettlauf, denn kein Trend, keine Mode hält sich besonders lange. Nachdem die Spielwaren-Kollektion vervollständigt ist, folgen Spielekonsole, Handy, neueste Rucksäcke und Kleidung, und alle werden in der nächsten Saison von einem neuen Modell abgelöst.

Statussymbole und Konsum
Die Fokussierung auf Statussymbole kann schnell negative Auswirkungen haben. Zum einen sind besonders Familien mit geringeren finanziellen Mitteln betroffen. Denn um mithalten zu können, braucht man Geld. Es bringt erhebliche Kosten mit sich, wenn man sich diese Träume erfüllen und jedem Trend folgen will, und damit die Gefahr, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Zum anderen wird mit dem Erwerb von Statussymbolen häufig kompensiert, was durch Konsum nur kurzfristig zu erlangen ist: ein „Upgrade“ auf den eigenen Selbstwert. Statussymbole vermitteln nicht nur anderen, dass man wertvoll ist, sie bekräftigen diesen Wert auch für das eigene Ich. Dies betonen besonders Studien zu Armutsfolgen bei Kindern: “Konsum stiftet Teilhabe und subjektiven Lebenssinn und stellt für Familien und Kinder oft das zentrale Medium der Statusdemonstration und Selbstwertschöpfung dar.” Werbung fördert ein reges Konsumverhalten und suggeriert dem Konsumenten – also auch Kindern – was neu, angesagt, noch besser und schöner ist. Doch nicht nur das – sie transportiert auch Werte unserer Gesellschaft. Sie zeigt uns, was es braucht, um glücklich, zufrieden und erfolgreich zu sein. Und so können schon Frühstückscerealien Erstaunliches bewirken.

Kinder unter Druck
Zwar sind Kinder in Armut ungleich schwerer betroffen, doch Wohlstand bewahrt nicht davor, die Welt nach Besitz, Aussehen und Ansehen zu bewerten und sich selbst danach bewerten zu lassen. Für Kinder kann dies einen enormen Druck bedeuten, der im Extremfall bis zum Mobbing geht. Ebenso kann es für Eltern zur Belastung werden, ständig hin und her gerissen zu sein: Da ist einerseits der Wunsch, ihr Kind zu unterstützen und vor Schaden zu bewahren. Und andererseits die Frage, ob man jedem Begehren und Kaufwunsch sofort nachgeben muss – oder das überhaupt kann.

Bewusst handeln
Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Zwar haben Statussymbole einen festen Platz in unserer Gesellschaft, aber Kinder können lernen, damit umzugehen. Das gesamte Umfeld eines Kindes kann dabei unterstützend wirken. Erwachsene, insbesondere Eltern, fungieren als Vorbilder, deren Handeln, Weltanschauungen und eigene Wünsche von Kindern wahrgenommen, interpretiert und übernommen werden. Neben den Dingen, die Kinder aktiv lernen, geschieht dies meist unbewusst. Genau an diesem Punkt lässt sich ansetzen, indem Denken und Handeln bewusster werden. Kinder brauchen die Möglichkeit, sich intensiv mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Dazu gehört, dass sie diese genauer zu bestimmen und auch zu hinterfragen lernen. So lassen sich Motive und Ursprünge identifizieren, die zur Entstehung eines Wunsches führen. Das trifft nicht nur auf Grundbedürfnisse wie Liebe, Geborgenheit, Gesundheit und Freundschaften zu, sondern in besonderem Maß auf Konsumwünsche. Deshalb ist es wichtig, Kinder über Strategien und Taktiken der Werbung aufzuklären und Grundkompetenzen aufzubauen, die einen klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld zum Ziel haben. So kann ein reflektiertes und selbstbestimmtes Konsumverhalten bei Kindern angeregt werden.
Ein weiterer, noch bedeutenderer Aspekt ist es, dass Kinder lernen, ihren eigenen Wert und die Wertschätzung anderer nicht von Besitz abhängig zu machen. Dazu gehört ein guter Umgang miteinander, der auf Respekt, Toleranz und Empathie basiert. Situationen, in denen sozialer Druck und Konflikte für Kinder entstehen, müssen aufgegriffen und mögliche Lösungsstrategien aufgezeigt werden. Ebenso sollten Fähigkeiten und Talente von Kindern hervorgehoben und gefördert werden, die den Fokus von Äußerlichkeiten abwenden. Dies kann in der Schule und zuhause im Alltag gleichermaßen geschehen.

Durch das Umfeld lernen
Erwachsene können den Lernprozess der Kinder positiv begleiten, indem sie ihre eigenen Bedürfnisse und Verhaltensmuster, gerade in Bezug auf Konsum, ergründen und definieren. Die Sensibilisierung für die Problematik und ein Umdenken in der Bewertung von Statussymbolen erzielen Eltern am besten dadurch, dass sie zuerst bei sich selbst genauer hinsehen und sich klarmachen, welche Werte sie an die nächste Generation weitergeben.