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Statussymbole – Die Vergänglichkeit von Trends

Vom Luxus zum Unterstatement. Statussymbole sind in unserer Gesellschaft fest etabliert. Und so schmücken wir uns gerne mit den Dingen, die uns Anerkennung und Zugehörigkeit versprechen. Statussymbole sind eine Form der Demonstration, ein optisches Merkmal, das anderen einen Eindruck davon vermitteln soll, welchen Platz wir in der Gesellschaft einnehmen. Und nicht nur das! Mit Hilfe von Statussymbolen können wir ebenso vortäuschen, dass wir den Kriterien entsprechen und dazugehören. Solange wir die richtigen Symbole verwenden. Doch genauso, wie die Mode, unterliegen Statussymbole Veränderungen. Sie folgen Trends und so können wir beobachten, dass die Statussymbole von einst ihre Bedeutung verlieren und von einer neuen Generation abgelöst werden.

Inflation und Trends von Statussymbolen

Gerade am Beispiel der Mode, also Kleidung, zeigt sich die Vergänglichkeit von Statussymbolen. Ist es die Jeans einer besonderen Marke, die mir die Beliebtheit garantiert? Sind es die blinkenden Schuhe? Ist es das aus Naturbaumwolle hergestellte T-Shirt des neuen Ökö-Labels? Wer seine gesellschaftliche Zugehörigkeit gewährleisten möchte, muss folglich im Trend bleiben oder besser noch, wird zum Trendsetter, während die Masse versucht mitzuhalten.

Statussymbole und Sozialprestige

Statussymbole repräsentieren die unterschiedlichsten Eigenschaften. Dazu zählen, Reichtum, Macht, Bildung, Bekanntheit oder Beliebtheit. Welche Statussymbole wir wählen, ist abhängig davon, welche Wertschätzung wir einem bestimmten Status in der Gesellschaft beimessen, also was wir für erstrebenswert halten. Dies ist keinesfalls objektiv. Die Wahrnehmung verändert sich nicht nur über Raum und Zeit, sondern kann auch innerhalb einer Gesellschaft von Schicht zu Schicht oder Altersklassen variieren. So messen Großvater und Enkel wahrscheinlich nicht dem selben Status oder den gleichen Dingen große Wertschätzung bei. Und was dem einem die Mitgliedschaft im Golfclub ist, mag für den anderen der Besitz des neuesten Smartphones sein.

Von Zeptern und Stoffen

Im Unterschied zur modernen Gesellschaft, in der sich die meisten Statussymbole auf materielle Güter beschränken, waren Statussymbole früher nur dann überhaupt „erwerblich“, wenn man einem bestimmten Status bereits hatte. Dazu gehörten der Monarch und sein Zepter oder das Tragen eines Titels im Namen. Auch waren bestimmte Farben und Stoffe der Kleidung nur den oberen Schichten vorbehalten. Insofern ist der Zugang zu den meisten Statussymbolen heute deutlich einfacher. In der Regel lassen sich die meisten Statussymbole mit ausreichend Geld käuflich erwerben.

Klassiker der Statussymbole

In den letzten Jahrzehnten war es eben gerade das Geld, viel Geld, welches als Schlüsselelement für den Erwerb der „richtigen“ und begehrten Statussymbole galt. Statussymbole waren gleichgesetzt mit Luxusgütern: Teuer, auffällig, und im Zweifelsfall mit der nötigen Extraausstattung. Diamantenbesetzte Zeitmesser, Seidenschals eines Luxuslabels, Kroko-Handtasche mit passendem Reiseaccessoires, Yachten, Autos, Villen, Clubmitgliedschaften und vieles mehr – die Klassiker der Statussymbole zeigen vor allem, wer es sich leisten kann und wer nicht.

Gesund, nachhaltig und voller Technik

Mittlerweile können wir feststellen, dass hier ein Umdenken geschieht. Die neuen Statussymbole sind andere. Studien weisen beispielsweise darauf hin, wie sich die Bedürfnisse von Jugendlichen diesbezüglich geändert haben. Das Fahrrad hat so für manche mehr Symbolkraft, denn es repräsentiert, anders als die Limousine, einen Lebensstil, der umweltfreundlicher, nachhaltiger und gesundheitsbewusster ist. Die neuen Schlagwörter sind „Vintage“ und „recyclebar“. Für viele Konsumenten ist es nun wichtiger, dass eine Marke eine „Consciousness“, also ein Bewusstsein dafür besitzt, „fair“ und „clean“ zu produzieren, als Wohlstand zu repräsentieren. Daneben hat der Bereich Technik, die Digitalisierung, Vernetzung und der kompetente Umgang mit neuen Medien, einen besonders hohen Stellenwert. Damit verbunden, ist die Flexibilisierung der Arbeitswelt. Sich seinen Arbeitsort aussuchen zu können oder einfach nur mehr Zeit zu haben, wird zum neuen Luxus und verdrängt den Besitz von klassischen Luxusgütern. Doch ist es wirklich so einfach?

Zukunft ohne Luxus?

In einem TV-Spot bewarb ein Automobilhersteller sein Produkt mit dem Slogan: „Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen!“ In gewisser Weise trifft dies auf die neue Generation von Statussymbolen zu. Sie sind dezenter geworden und tragen nicht mehr so auf, wie die funkelnden Klassiker der Statussymbole. Sie folgen einem Understatement, bei dem der Inhalt wichtiger wird, als der äußere Schein. Reichtum ist nicht mehr die oberste Maxime, sondern ein achtsamer und bewusster Lifestyle. Wenn wir genauer hinsehen, ist auch dies mitunter ein teures Unterfangen. Denn wer mit Tablet, Smartphone und Bioprodukten seinen Status entsprechend aussagekräftig symbolisieren möchte, muss es sich durchaus etwas kosten lassen. Es ist also fragwürdig, ob wir uns vom Luxus tatsächlich verabschiedet haben.

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Statussymbole bei Kindern – Risiken und Auswege

„Das muss ich unbedingt haben! Meine Freunde haben auch alle eines.“ Früher oder später haben die meisten Eltern dies schon einmal von ihren Kindern gehört. Dieses unbeschreibliche Verlangen, eine Notwendigkeit, geradezu überlebenswichtig, ist die Sehnsucht nach dem neuesten Smartphone, den tollsten Sneakern, der schönsten Barbie, mit dem dazugehörigen Haus, mit dem passenden Gefährt und der Extra-Ausstattung. Statussymbole sind keine Errungenschaft des Erwachsenwerdens. Sie existieren bei Kindern gleichermaßen.

Im Trend liegen

Auch wenn sich das Objekt der Begierde verändern mag, so sind Kinder keineswegs davor gefeit, den gängigen Statussymbolen nachzugeben und ihren Besitz anzustreben. Dahinter steht das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung. Kinder wollen von ihrem Umfeld, von Freunden und Schulkameraden, akzeptiert werden. Nicht anders verhält es sich nach der Kindheit. Statussymbole sind in der heutigen Konsumgesellschaft ein adäquates Hilfsmittel, um sich diesem Ziel anzunähern. Mit Trends und Marken „symbolisiert“ man anderen, dass man dazugehört, denn nichts wäre schlimmer als Ausgrenzung. Doch es gibt ein Verfallsdatum auf Statussymbole, die sich heutzutage hauptsächlich auf materielle Güter konzentrieren. Und so etabliert sich schnell ein Wettlauf, denn kein Trend, keine Mode hält sich besonders lange. Nachdem die Spielwaren-Kollektion vervollständig ist, folgen Spielekonsole, Handy, neueste Rucksäcke und Kleidung und alle werden von einem neuen Modell in der nächsten Saison abgelöst.

Statussymbole und Konsum

Der Umgang und die Fokussierung auf Statussymbole kann schnell negative Auswirkungen zur Folge haben. Zum einen sind besonders Familien mit geringeren finanziellen Mitteln betroffen. Denn um mithalten zu können, braucht es Geld. Die Erfüllung dieser Träume bringt erhebliche Kosten mit sich, wenn man jedem Trend folgen will und die Gefahr, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Zum anderen wird mit dem Erwerb von Statussymbolen häufig kompensiert, was durch Konsum nur kurzfristig zu befriedigen ist. Ein „Upgrade“ auf den eigenen Selbstwert. Statussymbole vermitteln nicht nur anderen, dass man wertvoll ist, sie bekräftigen diesen Wert auch für das eigene „Ich“. Dies betonen besonders Studien zu Armutsfolgen bei Kindern: „Konsum stiftet Teilhabe und subjektiven Lebenssinn und stellt für Familien und Kinder oft das zentrale Medium der Statusdemonstration und Selbstwertschöpfung dar.“ Werbung unterstützt ein reges Konsumverhalten entsprechend und suggeriert dem Konsumenten, also auch Kindern, nicht nur was neu, angesagt, noch besser und schöner ist, sondern transportiert auch Werte in unserer Gesellschaft. Sie zeigt uns, was es braucht, um glücklich, zufrieden und erfolgreich zu sein. Und so können schon Frühstückscerealien erstaunliches bewirken.

Kinder unter Druck

Wenngleich Kinder in Armut ungleich schwerer davon betroffen sind, so bedeutet dies nicht, das Wohlstand davor bewahrt, die Welt nach Besitz, Aussehen und Ansehen zu bewerten und sich selbst danach bewerten zu lassen. Für Kinder kann dies bedeuten, einem enormen Druck ausgesetzt zu sein, der im Extremfall Mobbing nicht ausschließt. Ebenso kann dies für Eltern zu einer belastenden Dauersituation werden. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch das eigene Kind zu unterstützen und vor Schaden zu bewahren und gleichzeitig nicht jedem Begehren und Kaufwunsch sofort nachgeben zu müssen oder auch nicht nachgeben zu können.

Bewusst handeln

Doch bei all dem Drama gibt es auch eine gute Nachricht. Zwar haben Statussymbole einen festen Platz in unserer Gesellschaft, doch Kinder können lernen, damit umzugehen. Das gesamte Umfeld eines Kindes kann dabei unterstützend wirken. Erwachsene, insbesondere Eltern, fungieren als Vorbilder, deren Handeln, Weltanschauungen und eigene Wünsche von Kindern wahrgenommen, interpretiert und übernommen werden. Neben den Dingen, die Kinder aktiv lernen, geschieht dies meist unbewusst. Genau an diesem Punkt lässt sich ansetzen, indem Denken und Handeln bewusster geschieht. Kinder brauchen die Möglichkeit, sich intensiv mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Dazu gehört, dass sie sie nicht nur bestimmen können, sondern dass sie durchaus auch hinterfragt werden sollten. So lassen sich Motive und Ursprünge identifizieren, die zur Entstehung eines Wunsches führen. Abgesehen von Grundbedürfnissen, wie Liebe, Geborgenheit, Gesundheit oder Freunde zu haben, ist dies bei Konsumwünschen besonders wichtig. Deshalb ist es wichtig, Kinder über Strategien und Taktiken der Werbung aufzuklären und Grundkompetenzen aufzubauen, die einen klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld zum Ziel haben. So kann ein reflektiertes und selbstbestimmtes Konsumverhalten bei Kindern angeregt werden.

Ein weiterer, noch bedeutenderer Aspekt ist es, Kindern zu vermitteln, ihren eigenen Wert und die Wertschätzung anderer nicht von Besitz abhängig zu machen. Dazu gehört einen guten Umgang miteinander zu pflegen, der auf Respekt, Toleranz und Empathie basiert. Situationen, in denen sozialer Druck und Konflikte für Kinder entstehen, müssen aufgegriffen und mögliche Lösungsstrategien aufgezeigt werden. Ebenso sollten Fähigkeiten und Talente von Kindern hervorgehoben und gefördert werden, die den Fokus von Äußerlichkeiten abwenden. Dies kann in der Schule und zuhause im Alltag gleichermaßen passieren.

Durch das Umfeld lernen

Erwachsene können den Lernprozess der Kinder positiv begleiten, indem sie selbst, ihre eigenen Bedürfnisse und Verhaltensmuster, gerade in Bezug auf Konsum, ergründen und definieren können. Die Sensibilisierung für die Problematik und ein Umdenken in der Bewertung von Statussymbolen wird am besten dadurch erzielt, zuerst bei sich selbst genauer hinzusehen und sich klarzumachen, welche Werte an die nächste Generation weitergeben werden.

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Statussymbole – Oder die Suche nach Anerkennung

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“, so kokett wurde vor ein paar Jahren in einem TV-Werbespot mit den Vorzügen für Anleger geworben. Die Werbung verpackte mit charmantem Witz ein Gefühl, das wohl vielen bekannt vorkommt, auch wenn es nicht unbedingt die eigene Yacht sein muss. Doch das Bedürfnis, etwas vorweisen zu können, etwas erreicht zu haben, jemand zu sein, schlummert wohl in jedem von uns, das Ziel einen gewissen Status im Leben erreicht zu haben. Doch was bedeutet das eigentlich? Und wieso legen wir in unserer Gesellschaft Wert auf Statussymbole?

Statussymbole und Gesellschaft

Um dieser Frage nachzugehen, bedarf es eines generellen Blickes auf Gesellschaft. Gesellschaft ist nicht einfach eine chaotische Masse, sondern sie ist durch eine Vielzahl von Regeln, Kategorien und Klassifizierungen geprägt. Sozusagen die „Schubladen“ unserer Gesellschaft und auf diese ist Gesellschaft auch durchaus angewiesen. Denn in der Interaktion mit anderen Menschen brauchen wir einen gewissen Orientierungsrahmen. So gibt es bestimmte Muster, wie wir uns als Individuen oder in einer Gruppe verhalten, denen wir beispielsweise über unsere Ausdrucksweise, unser Benehmen oder Aussehen Ausdruck verleihen können. Alleine Sprache ermöglicht es uns dadurch Rückschlüsse auf die Herkunft oder das Bildungsniveau eines Menschen zu ziehen.

Die Wertigkeit von Merkmalen

Wie in einer Gesellschaft bestimmte Merkmale, wie Bildung, nun bewertet werden und welche als erstrebenswert gelten, ist mitunter abhängig von den Werten, die eine Gesellschaft prägen. Diese Merkmale oder auch „Statuskriterien“ reichen von Alter, Geschlecht, Herkunft, bis zu Bildung, Beruf, Eigentum, Macht oder auch persönlichen Eigenschaften. Unterstellen wir also bei Menschen, die älter sind, einen größeren Erfahrungsschatz und Wissen, die mehr Achtung verdienen? Ist ein Doktortitel respektabler als ein Hauptschulabschluss? Genießt ein Arzt mehr ansehen als ein Busfahrer, der Kinder sicher von der Schule nach Hause bringt? Wie bewerten wir die Kleidung eines Menschen? Ist die glamouröse Birkin Bag wertvoller als die umweltbewusste Jutetasche des Ökoladens um die Ecke?

All diese Fragen beantwortet Gesellschaft für sich und misst jedem dieser Merkmale einen Wert zu. Dieser Wert ist durchaus nicht feststehend und kann sich im Laufe der Zeit verändern oder auch regionalen Unterschieden unterworfen sein. Nehmen wir beispielsweise die Figur einer Frau. Üppige Rundungen galten für Rubens noch als Schönheitsideal und Ausdruck von Reichtum. Mit einer sich verändernden Gesellschaft wandelte sich auch dies und die Rubensfigur wurde durch eine „Size Zero“-Figur abgelöst. Dagegen gilt in Mauretanien noch heute der füllige Körper einer Frau als Statussymbol. Je nachdem in welchem sozialen Kontext wir uns also befinden, gelten unterschiedliche Sets von Statuskriterien und Werteorientierungen.

Die Rolle der Gruppe

Der soziale Kontext oder eben die Gruppe in der wir uns befinden, ist dabei ein entscheidendes Element. Denn erst im Miteinander entfalten diese Verhaltensmuster und Merkmale ihre volle Wirkung. Durch die Einschätzung und Bewertung im Kollektiv wird der Maßstab dafür gesetzt, was Anerkennung verdient und wichtig ist. Wären wir alleine auf dieser Welt, wäre dies dagegen völlig unerheblich, ob wir reich, gebildet, mächtig wären oder aus „gutem Hause“ kämen. Es braucht den Vergleich mit anderen, erst dann gibt es auch ein besser und schlechter. Nur in der Gruppe entsteht eine Hierarchie, in der jeder einzelne eine bestimmte Position einnimmt. Also einen gewissen „Status“ innehat und mit diesem Status verbindet sich ein bestimmtes Verhalten, das von anderen erwartet wird.

Der Arzt und der Busfahrer

Greifen wir also auf den Arzt und den Busfahrer als Beispiel zurück. Erwarten wir bei einem Arzt wohl eher eine eloquente Ausdrucksweise, eine gute Allgemeinbildung und exzellentes Fachwissen. Daneben sehen wir einen Arzt in seinem Auftreten womöglich, abgesehen von dem weißen Arztkittel, in einem feinen Anzug mit den dazu passenden italienischen Herrenschuhen und einer aussagekräftigen Uhr. Und dies lässt sich weiter ausweiten auf das schnelle, teure Markenauto aus deutscher Herstellung oder dem Bild einer vorzeigbaren Familie im gepflegten und architektonisch innovativen Eigenheim oder dem Verbringen des Jahresurlaubes in einer exotischen All-Inclusive-Luxusdestination. Dem Busfahrer dagegen sprechen wir wahrscheinlich weniger Wissen zu, eine bodenständige Art zu sprechen und sich zu kleiden, weniger finanzielle Mittel, ein geringeres berufliches Ansehen oder Einflussmöglichkeiten. Zudem sehen wir den Busfahrer vielleicht eher in einer gemütlichen Wohnung und an den sommerlichen Wochenenden trifft man sich in der Kleingarten-Kolonie zum Grillen. Wenngleich sehr überspritzt, sollen diese beiden Beispiele zeigen, nicht nur welche Erwartungen sich mit einem bestimmten Status verbinden können, sondern auch, dass ein Status auch immer mit dem Erfüllen dieser Erwartungen und dem Ausfüllen einer Rolle verbunden ist.

Die Funktion von Statussymbolen

Zunächst stellt sich die Frage, wieso Menschen danach streben eine bestimmte Rolle auszufüllen, beziehungsweise ihr zu entsprechen. Ganz einfach: Dahinter steht das natürliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Es ist die Anerkennung, die der Soziologe William I. Thomas zu den grundlegenden Wünschen zählt, die der Mensch hat. Und so ist es nachvollziehbar, dass wir bestrebt sind, uns diesen Wunsch auch zu erfüllen, indem wir den Erwartungen an unsere Rolle entsprechen. Statussymbole haben hier eine wichtige Funktion. Das schnelle Auto, große Haus oder der Doktortitel haben Symbolwirkung. Sie dienen als Hilfsmittel, um zu demonstrieren welchen Status wir in einer Gesellschaft einnehmen und ermöglichen anderen dies zu bewerten und einzuschätzen. Doch im Vergleich mit anderen Menschen haben sie noch eine weitere Funktion: Denn sie spiegeln nicht nur wider, welchen Status wir innehaben, sondern auch, welchen wir gerne einnehmen würden, zu welcher Gruppe wir gerne gehören oder in welchen Kreisen wir gerne verkehren würden. Menschen sind bestrebt sich bei ihrer Darstellung nach außen möglichst gut darzustellen, denn wer möchte schon gerne das Schlusslicht in der Kette der Hierarchie bilden. Und so „schmücken“ wir uns mit den Statussymbolen, die in unserer Gesellschaft als besonders wertvoll gelten. Anders formuliert, wir erhoffen uns dadurch hohes Ansehen. Manchmal bedeutet dies, dass wir unser letztes Geld zusammenkratzen, um vor der Tür den schönen Wagen stehen zu haben oder auch nur das neueste Handy besitzen zu können. Die Belohnung ist die Anerkennung und Wertschätzung durch das Umfeld, in dem wir uns als schneller, klüger, schöner, reicher, glücklicher oder zumindest ebenbürtig darstellen.

 

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Integration von Flüchtlingskindern in der Grundschule

Integration, integrieren, Toleranz, Sprache, lernen, Flüchtlinge, Einwanderung, Gemeinschaft, Kultur, Werte, global, Sprachförderung, Menschen, Migration, Migrant, Asyl, Politik, Identität, Kompetenz, Einbürgerung, Ausländer, Gesellschaft, sozial, Soziologie, Prozess, eingliedern, teilhabe, Symbol, Wörter, IconWelche Werte müssen den Kindern vermittelt werden und wie?

Interview mit Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge

Wertearbeit, das Vermitteln eines stabilen Wertesystems, ist eine zentrale, ganz wichtige Aufgabe der Grundschulen. Alle Kinder werden in der Regel gemeinsam beschult, ungeachtet ihrer Fähigkeit, Herkunft, oder ethnischem Hintergrund. Hier kann Schule noch am ehesten integrativ wirken. Eine zunehmende Diversität von Schülern bringt neue Herausforderungen für Schulen und Lehrer – gerade auch vor dem Hintergrund aktueller Zuwanderungsströme von Flüchtlingen.

Unterschiedliche Herkunftsländer und damit verschiedene Kulturkreise und gesellschaftliche Wertesysteme sind nicht neu an Deutschlands Schulen, jedoch in ihrer aktuellen Dimension schon. Fehlende und mangelnde Sprachkenntnisse sind nur ein Problem, das zunehmender Aufmerksamkeit in der Schule bedarf. „Hinzu kommt, dass mit steigendem Zugang von Flüchtlingskindern vermehrt unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse aufeinandertreffen.Inwiefern ändert sich also durch den Zugang vieler Flüchtlingskinder für die Lehrkräfte in den Grundschulen ihre Arbeit? Welche Auswirkung haben Sprachbarrieren? Was passiert, wenn verschiedene Wertesysteme aufeinandertreffen? Darüber haben wir mit dem Erziehungsexperten Dr. Jan-Uwe Rogge gesprochen.

Lehrkräfte sind im Hinblick auf Werte wichtige Vorbilder

Werte werden nicht zuvorderst durch Sprache vermittelt, betont Jan-Uwe Rogge, sondern müssen vielmehr vorgelebt werden: „Es geht darum, dass wir für uns gültige Werte den Kindern vorleben und so vermitteln. Ganz wichtige Werte sind etwa Wertschätzung und Achtsamkeit.“ Den Lehrerinnen und Lehrern komme dabei eine Vorbildfunktion zu, denn „sie sind für ein wertschätzendes Klima in der Klasse verantwortlich. Dazu gehört, sich gegenseitig zuzuhören, aufeinander einzugehen und sich gegenseitig zu respektieren“. Die Persönlichkeit der Erziehenden oder des Erziehenden spielt dabei eine ganz wichtige Rolle, denn sie ist schon im Kindergarten, aber ebenso in der Grundschule ein ganz wichtiges Vorbild und eine entscheidende Bezugsperson für die Kinder.

Auf kulturübergreifenden Werten aufbauen

Dass nun die Flüchtlingskinder zum Teil ohne alles hierher gekommen sind und einen anderen kulturellen Hintergrund haben, heißt indes nicht, dass ihr Wertesystem ein ganz anderes ist. Es gibt übernationale Werte, die kulturübergreifend zentral sind, sagt Jan-Uwe Rogge: „Wertschätzung und Achtsamkeit gelten beispielsweise in Afghanistan ebenso wie in Syrien. Diese Werte halte ich für absolut wichtig. Ich achte dich, und ich erwarte, dass du mich achtest. Ich schätze dich wert, und ich möchte von dir wertgeschätzt werden.“

Natürlich gibt es nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch Unterschiede. Abweichende gesellschaftliche Normen und Vorstellungen über Rollenbilder sind hierfür ein Beispiel. Grundsätzlich müsse dabei nicht befürchtet werden, dass sich durch eine solche Diskrepanz ein problematischer Zwiespalt für die Kinder ergibt, meint der Erziehungsexperte: „Kinder können mit Unterschiedlichkeiten durchaus umgehen. Das ist kein zentrales Problem, denn sie erleben das überall – etwa, dass sie von den Eltern anders angenommen werden als von den Großeltern. Vielmehr erfordert es von den Lehrern ein gewisses Bemühen.“ Auch Schule sei ein Ort, an dem Werte vermittelt und vorgelebt werden. Unterschiedlichkeit sei zudem nicht zuvorderst eine Frage des Herkunftslandes, betont Jan-Uwe Rogge, denn „deutsche Kinder, die aus einer Familie kommen, in der es sehr machtorientiert zugeht, erfahren ebenfalls eine Diskrepanz, wenn sie in der Schule Wertschätzung und Achtsamkeit kennenlernen.“

Die Bedeutung von Gelderziehung in der Grundschule

Zu den Werten, die Kindern in der Grundschule vermittelt werden müssen, gehört auch das Geld. Dies erachtet auch Jan-Uwe Rogge für wichtig: „Denn der Umgang mit Geld bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen.“ Geld ist ein greifbarer Wert und ein Wertesymbol. Es bestimmt den Wert einer Sache oder einer Leistung. Im Gegensatz zu anderen Werten wie Achtsamkeit und Respekt, können wir es sehen und anfassen. Frühzeitig den richtigen Umgang mit Geld zu lernen, zu üben, damit zu planen und es einzuteilen, ist ein wichtiger Aspekt in der Erziehung von Grundschulkindern. Dazu gehört auch Kindern zu vermitteln, wie sie sich in der Konsumgesellschaft zurechtfinden und frei von Markendruck ihre Entscheidungen treffen können. Gerade für die Kinder von Geflüchteten ist dies ein sensibles Thema, das schnell zu Ausgrenzung führen kann, wird es nicht in der Schule aufgegriffen.

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Sicherheit durch verantwortungsvolles Handeln

620254Durch das Projekt KinderCash lernen die Kinder von klein auf, welche unterschiedlichen Funktionen Geld hat, wie sie es einteilen und verantwortlich und selbstbestimmt damit umgehen können.

Im überschaubaren Rahmen eines regelmäßigen Taschengelds können sie üben, mit begrenzten Mitteln auszukommen, zu planen und auch einmal Fehler zu machen, ohne gleich gravierende Konsequenzen befürchten zu müssen. Das kann etwa die Erfahrung sein, alles Taschengeld der Woche auf einmal für Süßigkeiten ausgegeben zu haben – und deshalb für die restlichen Tage nichts mehr zu haben.

 Zudem lernen sie mit Hilfe des Sparschweins und seinen vier unterschiedlichen Fächern, dass Ausgeben nur eine Möglichkeit ist, mit Geld umzugehen. So wird ihnen veranschaulicht, dass sie Geld sparen können, in eine größere Anschaffung mittelfristig investieren oder es spenden können. Dabei ist das Spenden für eine gute Tat nicht nur mit Geld vorgesehen, sondern auch immaterielle Werte wie Zeit, können für andere eingebracht werden.

Mit den gemachten Erfahrungen lernen Kinder, kluge und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, um mit ihren begrenzten Mitteln auskommen und sich trotzdem etwas leisten zu können. Dazu gehört es, dass Kinder ihre eigenen Wünsche definieren und bestimmen, was für sie persönlich wichtig und wertvoll ist. Kinder müssen deshalb darin unterstützt werden, ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln, welches ihnen die Sicherheit gibt, unabhängig zu agieren und ihren eigenen Wert nicht von materiellen Dingen bestimmen zu lassen.

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Aktuelle Brisanz durch den Zuzug vieler Flüchtlinge

fotolia_39622000_xsIn Zusammenhang mit der Werte- und Finanzbildung ist der aktuelle Zugang von Flüchtlingskindern an Grundschulen ein Thema, das Diana Bartl besonders am Herzen liegt.

„Flüchtlingskinder haben es besonders schwer. Neu angekommen müssen sie sich in diesem fremden Land erst zurechtfinden. Oft haben sie Schreckliches in ihrer Heimat oder auch auf der Flucht erlebt, das erst noch verarbeitet werden muss. Wir dürfen diese Kinder nicht alleine lassen. Es ist wichtig, dass wir sie auf ihrem Weg begleiten und unterstützen. Für eine erfolgreiche Integration ist dies unerlässlich. Schule kann hier effektiv einwirken.“ sagt Bartl. Mit Hilfe des Projekts KinderCash lernen Kinder nicht nur etwas über den Umgang mit Geld. Lehrer und Klasse besprechen im Laufe des Projekts vielerlei Themen gemeinsam. Kritisches Hinterfragen und das Reflektieren über unterschiedliche Wertevorstellungen sind dabei erwünscht. In der Vermittlung der Wertekompetenzen kommt es darauf an, Kinder in ihren Fähigkeiten zu bestärken, ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln. Gleichzeitig lernen sie, dass gegenseitiger Respekt und Wertschätzung die Grundlage für ein gutes Miteinander sind. Kinder sollen ihren eigenen Weg finden. Konflikte und Uneinigkeiten gehören in diesem Prozess selbstverständlich dazu. Wichtig ist dabei nur, dass sie offen angesprochen und diskutiert werden.

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Warum sollte der Umgang mit Geld schon früh erlernt werden?

fotolia_79567735_sGeld ist einerseits als symbolischer Wert für materielle Dinge sowie als Gegenwert für Leistung allgegenwärtig. Wir müssen zwangsläufig damit umgehen, doch oft haben wir nicht gelernt, wie.

Fehlendes Wissen über Geld und eine damit verbundene unwirtschaftliche Haushaltsführung führen jedoch schnell zu gravierenderen Problemen, wie Verschuldung. Dem kann nur entgegengewirkt werden, wenn möglichst früh, präventiv aufgeklärt wird. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, schon in der Grundschule anzusetzen.

„Das muss ich unbedingt haben!“ Werbung und die Verlockungen der Konsumwelt üben schon auf Kinder Einfluss aus und suggerieren nach ihren eigenen Maßstäben, was wertvoll und wichtig ist. Kinder müssen an dieser Stelle lernen, reflektiert damit umzugehen, damit die Regeln der Konsumgesellschaft nicht über die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder bestimmen. Diana Bartl betont: „Wenn das Markenbewusstsein erst einmal Einzug erhält, beginnen Kinder sich darüber zu definieren, was sie haben oder nicht haben – einen Turnschuh einer bestimmten Marke oder das neueste Handy etwa. Wer dann finanziell diesem Wettlauf um Beliebtheit nicht standhalten kann, ist schnell außen vor! Negative Gefühle, wie Neid oder die Erfahrung von Ausgrenzung sind die Folge.“

Es braucht ein starkes Selbstbewusstsein und einen gesunden Selbstwert, um sich von dieser Art Konsum- und Gruppendruck freizumachen und Strategien, um Konfliktsituation positiv auflösen zu können. Kinder sollten deshalb nicht nur frühzeitig lernen, wie man klug mit Geld, Konsum und Werbung umgeht, sondern vor allem auch, dass sie wertvoll sind, so wie sie sind. Bei Projekt KinderCash verbinden sich diese Elemente in der Vermittlung von Werte- und Finanzkompetenzen. 

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Taschengeld: pädagogisch wertvoll

fotolia_38998120_lSollten Kinder schon eigenes Geld zur Verfügung haben?

Ja, lautet die klare Antwort, denn so können die Kinder üben, mit Geld richtig umzugehen – zu planen und es sich selbständig einzuteilen. Dazu gehört auch, einmal Fehler zu machen, das Geld zu früh auszugeben oder einen Fehlkauf zu machen und anhand dieser Erfahrungen zu lernen. Durch das praktische Üben realisieren Kinder schnell, wie wichtig ein verantwortungsvoller und umsichtiger Umgang mit dem eigenen Geld ist und das ein Stück Selbstdisziplin notwendig ist, wenn man sich etwas leisten möchte.

Einen rechtlichen Anspruch auf Taschengeld haben Kinder und Jugendliche zwar nicht, aus pädagogischer Sicht ist es aber sinnvoll. Im Kindesalter werden so die Grundlagen für später gelegt, damit sie als Erwachsene gut mit dem Budget, das ihnen zur Verfügung steht, haushalten können.

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Wertevermittlung und Gelderziehung in der Grundschule

Zur Bedeutung unterschiedlicher Arten von Werten und wie aus Kindern stabile, selbstbewusste Erwachsene werden.

Es ist gar nicht so leicht, sich in der heutigen Konsumwelt mit dem allgegenwärtigen Druck und Einfluss, den die Werbung ausübt, zurechtzufinden. Überall und ständig werden schon Kinder mit allerlei Verlockungen konfrontiert, ihr Taschengeld auf den Kopf zu hauen. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig mit der Aufklärung zu beginnen. Die Grundschule ist ein idealer Ort, um Kindern aufzuzeigen, welche Funktionen Geld hat, welche Möglichkeiten, aber auch Grenzen damit einhergehen, und was das alles mit Werten zu hat. Darüber haben wir mit Diana Bartl, der Initiatorin des Projekts KinderCash, gesprochen.

Was hat Geld mit Werten zu tun?

Auf den ersten Blick erschließt sich der Zusammenhang zwischen Geld und Werten nicht unbedingt. Geld haftet unterschwellig oft etwas mehr oder minder Anrüchiges an. Werte hingegen sind eher mit hehren moralischen und ethischen Konnotationen behaftet. Allerdings „ist Geld selbst ein Wert“, wie Diana Bartl betont, „und zwar ein Wert mit einer starken Symbolik“. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Werten, etwa moralische Werte wie Wertschätzung, Respekt oder Toleranz, oder aber symbolische Werte wie Geld. Man kann es anfassen und damit ist es ganz praktisch greifbar.

Das Wesen von Geld beschreibt Diana Bartl so: „Geld ist in unserer Gesellschaft ein Wert, der als Maßeinheit und Gradmesser für andere Werte dient. Indem ich beispielsweise jemanden für eine Leistung, die er erbringt, angemessen bezahle, drücke ich meine Wertschätzung aus. Wenn ich ihn hingegen unterbezahle und damit seine Leistung ausnutze, verwehre ich ihm nicht nur eine Summe Geld, sondern auch die Wertschätzung und den Respekt, die er verdient. Ich bewerte seine Arbeit nicht in angemessener Weise.“

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Pisa-Finanztest offenbart großen Nachholbedarf der Schüler in Deutschland in Sachen Geldwissen

©-photophonie-FotoliaJuli 2014 – Viele Schüler haben erhebliche Lücken in ihrer Finanzbildung und werden nicht ausreichend auf eine Teilnahme am Wirtschaftsleben vorbereitet. Das wird durch eine Reihe von Studien klar belegt, so auch durch einen Zusatztest der Pisa-Studie.

Auf politischer Ebene wird noch darüber diskutiert, ob und wie Finanzbildung in den Lehrplänen künftig untergebracht werden soll. Das Projekt KinderCash hingegen tut bereits jetzt etwas: Schulen müssen sich nur für eine Teilnahme am Projekt anmelden und werden dann mit kostenlosem und werbefreiem Unterrichtsmaterial ausgestattet, das den Kindern auf altersgerechte Weise Finanzwissen vermittelt.

Lesen Sie hier den Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Pisa-Finanztest: Süddeutsche Zeitung, 11. Juli 2014 Artikel „Ganz schön doof“

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